Waldwanderung bei Gundelsheim

Ein wunderbarer Sonntag, mit der Wehmut des bevorstehenden Herbstes gekennzeichnet, war der äußerliche Rahmen für einen Waldspaziergang, der beachtliches Wissen vermittelte.

Pünktlich um 13.30 Uhr ertönte nordöstlich von Gundelsheim im Staatswald das Waldhorn, das zum Sammeln rief. Zwei Förster übernahmen zwei Gruppen, die sich in der Folge durch unterschiedliche Weglängen durch den Wald auszeichneten. Schnell hatte sich ergeben, wer für die größere Runde antrat.




Wir wurden an eine Stelle geführt, die aufzeigt, welche Entwicklung der Wald nimmt, wenn wenig Einflussnahme erfolgt. An einer ähnlichen Stelle bot sich unter veränderten Bedingungen (feuchte Lage) ein anderes Bild. Es wurde uns schnell und verständlich deutlich, wie im Wald je nach Bodenbeschaffenheit und äußeren Bedingungen, wie Licht und Feuchtigkeit, sich unterschiedliche Bäume durchsetzen und ein entsprechend typisches Bild abgeben.

Die jeweils Begünstigten legen ein schnelleres Wachstum vor und nehmen den Nachkommenden das Licht. Der heutige Wald bekommt weit weniger aufgezwungen als in früheren Jahren. Man nimmt vorzugsweise die von der Natur vorgegebenen Standorte. Auch werden wenige Bäume aus Baumschulen gepflanzt, sondern hochkommende Keimlinge von gut gewachsenen Bäumen gefördert.

Die Waldpflege aus unserer Zeit soll drei Kriterien erfüllen:

1. Erholungswert
2. Wasserspeicher
3. Holznutzung

Die schnellwachsende Fichte ist bis heute das kapitalbringende Holz. Noch schneller wächst die Douglasie, sie wurde  vor einiger Zeit bei der Anpflanzung bevorzugt, jedoch hat dieses zähe Holz nie einen Markt erobert, jedoch hat dieses zähe Holz nie einen Markt erobert. Ich habe es so verstanden, dass die Bearbeitung nicht so günstig wie bei der heimischen Fichte ist.




Wer sich an den gewaltigen Sturm Wiebke erinnert, der vor Jahren insbesondere Monokulturen flachlegte, versteht, dass danach eine noch stärkere Abkehr von Einheitskulturen die Folge war. Im Gundelsheimer Staatswald werden nur noch kleine Einheiten von Fichten gepflanzt, die von tieferwurzelnden Bäumen umgeben sind.
Staunend standen wir vor Teppichen von hochgekommenen Buchen, wobei vorauszusehen ist, dass nur wenige zu Bäumen heranwachsen.

Während der Normalbürger die deutsche Eiche im Mittelpunkt sieht, gibt es bei wirtschaftlicher Betrachtung andere Kriterien, da der Möbelmarkt Modeschwankungen unterhegt. Ähnlich wie bei Aktien ist es wichtig, die Zeit zu haben, günstige Zeitpunkte abzuwarten.

Interessant waren auch die flankierenden Maßnahmen, um Furnierholz heranzuziehen. So ist es wichtig, dass der heranwachsende Stamm einer Eiche vom umstehenden Holz derart beschattet wird, dass keine Seitentriebe herauswachsen. Der Preis der Eiche würde gewaltigen Schaden nehmen. Bei diesen langsam wachsenden Edelhölzern ist es von großer Wichtigkeit, dass die nachfolgenden Förstergenerationen die Zielvorstellungen der Vorgänger kennen. Beispielsweise werden einer Eiche mindestens 200 Jahre Wachstum zugestanden. Dies bedeutet fünf Berufsleben und es wird deutlich, wie wichtig die Weitergabe von Wissen und Planungen ist.

Eine gut gewachsene Waldkirsche ist der preisliche Renner. Sie wird mit 15000 DM je Kubikmeter gehandelt. Beruhigend wirkte auf uns alle, dass der Wald weitgehendst frei von Chemie ist. Nur in außergewöhnlichen Katastrophenfällen wird die chemische Keule genehmigt.




Es war ein geglückter Nachmittag, der am Neuen Waldhaus bei Kuchen und Kaffee sowie einem zünftigen Wald­Arbeiter-Vesper ausklang. Zu danken haben wir diese geglückte Unternehmung unserer Familie Schuster, die in einmaliger Weise diese Waldbegehung zu einem besonderen Fest werden ließ.

Bereits bei der Anfahrt kündeten rote Tücher, dass wir auf dem richtigen Wege sind. Selbst Rotkäppchen hätte nicht verfehlen können. Nach dem Waldgang saß man noch lange beisammen und genoss an den schön vorgerichteten Tischen den herrlichen Spätnachmittag und die schmackhaften Kuchen und je nach Geschmack gut gewürzte Wurstsorten. Für den Arbeitsaufwand, der freundlichen Gestaltung, danken wir der "Tageschefin Melitta", deren Tochter Daniela und dem dazugehörigen Mann Josef.
Wir bitten auch unseren Dank an den Leiter des Forstamtes Gundelsheim, Forstdirektor Helmut Feldmann und Amtsrat a. D. Fritz Wolf (ehemaliges Forstrevier Gundelsheim) weiterzugeben, die uns den Blick für unseren Wald geschärft haben.

gez.: Günter Teichmann