In der Woche vom 22. – 26.2.1999 haben wir in der Gewerblichen Kreisberufsschule in Neckarsulm eine Organspende-Info-Veranstaltung durchgeführt. Die "Heilbronner Stimme" berichtete in der Ausgabe vom 26.2.1999 über diese Aktion wie folgt:




Rund 300 Schüler der Neckarsulmer Kreisberufsschule erfahren in einer Unterrichtseinheit Neues zum Thema Organspende

"Ich habe sofort gespürt, dass ich gesund bin "

Insgesamt 14 Abschlussklassen der Kreisberufsschule Neckarsulm sprechen derzeit über Organspende. Informiert werden sie vom Kontaktkreis Organspende und Transplantation Heilbronn.

"Schicksal, Schicksal" rufen 15 Schülerinnen und Schüler in einer Mischung aus Übermut und Verlegenheit. Der 23jährige Thorsten Landauer aus Schwaigern hat eine persönliche Horrorvision entworfen: "Was ist, wenn ich da liege, und meine Mutter lässt meine Organe entnehmen?"

Carl-Ludwig Fischer-Fröhlich, Tranplantkoordinator aus Tübingen, hat kurz zuvor erklärt, dass eine Organspende nur zulässig ist, wenn der Hirntod eines Menschen festgestellt ist, und feststeht, dass der Verstorbene einer Organentnahme nicht widersprochen hat. Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, mit Angehörigen über das Thema Organspende zu reden. Wie wichtig und wie schwierig, denn Gespräche über den Tod mag in einer Fit-forFun-Gesellschaft keiner führen.

Fischer-Fröhlich geht behutsam damit um und reagiert einfühlsam auf die Fragen und Erzählungen der Schüler. Ganz still wird's im Klassenzimmer als der 64jährige Herbert Koch von seiner Herztransplantation erzählt: Wie er sich ein ganzes Jahr lang im Bett wie im Schraubstock eingeklemmt fühlte, welche Schmerzen ihn geplagt haben, wie schwach und mutlos er war. Dann das lange ersehnte und gefürchtete Telefonat mit der Nachricht, dass ein Spenderherz für ihn gefunden sei - die bangen Minuten im Krankenzimmer, der Blackout. Kochs Stimme wird brüchig, gerührt: "Als ich aufgewacht bin, habe ich sofort gespürt, dass ich gesund bin."

"Wissen Sie von wem Ihr Herz ist?" fragt ein Schüler mit leisem Respekt. Herbert Koch schüttelt den Kopf. Die Frage wird auch in der Broschüre "Organspende rettet Leben!" vom Arbeitskreis Organspende gestellt. Dort steht als Antwort: "Der Name des Spenders wird dem Empfänger nicht mitgeteilt. Umgekehrt erfahren die Angehörigen eines Spenders nicht den Namen des Empfängers. Damit soll ausgeschlossen werden, dass wechselseitige Abhängigkeiten durch eine Organspende entstehen." Was jedoch passieren kann, ist auf einer Veröffentlichung vom Info-Tisch zu lesen: Hinterbliebene können Post von einem Transplantkoordinator bekommen. In diesem Fall war eine 25jährige Frau vom Pferd gestürzt. Nach einigem Zögern hatte die Mutter der hirntoten Patientin der Organspende zugestimmt. Jetzt sinniert sie über dem Brief von Transplant: "Fünf Menschen hat sie das Leben gerettet, der Herzempfängerin, dem Leberempfänger, zwei jungen Männern, die jeweils eine Niere bekamen und einem Mädchen, das Mukoviszidose hatte. . . "

Nach den zwei Schulstunden mit den Fachleuten gehen die Schüler zum Info-Tisch. Sie kleben ihre Antwortpunkte auf verschiedene Fragen an eine Stellwand. Da ergeben sich klare Schwerpunkte:

Befürworten Sie Organspende? Ja.
Haben Sie einen Organspendeausweis? Nein.

Fragen zur Organspende werden von montags bis freitags, 9 bis 18 Uhr, unter Telefon 0800/90 40 400 gebührenfrei beantwortet.


Bericht von Bärbnel Kess



Nachgefragt

Christa Bender, Dialysepatientin

Über die Schwierigkeit, Menschen für die Organspende zu gewinnen, sprach die HSt mit Christa Bender vom Verband der Dialysepatienten Baden-Württemberg.

Warum möchten viele Menschen keinen Organspendeausweis?
Christa Bender: Das liegt daran, dass viele Menschen gar nicht aufgeklärt sind. Sie wissen nichts über Organspende. Jüngere interessieren sich oft gar nicht dafür. Und ältere Menschen wollen aus Angst vor dem Tod nichts davon wissen.

Ist das Thema Organspende tabu?
Christa Bender: Das Thema ist nicht tabu. Ich finde wir vom Kontaktkreis Organspende und Transplantation Heilbronn machen schon eine ganze Menge. Bei der jüngsten Unterland Ausstellung haben wir 800 neue Organspendeausweise eingeschweißt.

Wie viele Organspender fehlen derzeit bundesweit?
Christa Bender: Ich weiß, dass beinahe 11000 Menschen auf der Warteliste für eine Niere stehen. 2340 Nieren wurden im Jahr 98 transplantiert. Die Lebendspende von Nieren hat deutlich zugenommen. Es waren insgesamt 343, das entspricht einem Anteil von 15 Prozent. Das Transplantationsgesetz lässt die Lebendspende nur zwischen Familienangehörigen und sich besonders nahe stehenden Personen zu.



interessierte Schüler



Unser Infostand