In dieser Vortragsreihe informieren wir unsere Mitglieder und Interessierte über aktuelle Themen rund um Organspende und Transplantation.

Nachfolgend Berichte aus diesen Veranstaltungen soweit uns dazu welche vorlagen.



Neben- und Wechselwirkungen der Immunsuppressiva

Am 17. September 2002 referierte im Rahmen der Vortragsreihe des KKOT Heilbronn Apotheker Jens Waidelich von der Sonnenberg-Apotheke aus Heilbronn über Neben- und Wechselwirkungen der zur Zeit auf dem Markt befindlichen Immunsuppresiva. Dabei ergaben sich zum Teil neue, interessante Aspekte. Vor dem Vortrag stellte Herr Matthias Leers von der Geschäftsleitung des Plattenwaldkrankenhauses anhand einer Präsentation die SLK-Kliniken vor.

Herr Waidelich ging auch auf die z.Zt. diskutierten politischen Entscheidungen in der Gesundheitspolitik ein. Er gab dazu folgende, detaillierten Auskünfte.

AABG steht für Arzneimittel-Ausgaben-Begrenzungsgesetz, das am 23.02.2002 in Kraft getreten ist. Ziel ist es, die steigenden Arzneimittelkosten in unserem Gesundheitssystem einzudämmen. Ein Teil dieses Gesetzes ist die sog. «aut-idem»- Regelung, bei der kostengünstige Generika häufiger eingesetzt werden sollen.

Was ist aut-idem?

aut-idem ist lateinisch und heißt «oder das Gleiche». Darunter versteht man den Austausch (= «Substitution») eines teuren Medikamentes durch ein wirkstoffgleiches oder günstigeres Arzneimittel. Diese Regelung wird bereits in anderen Ländern (Frankreich, Niederlande, USA) erfolgreich praktiziert. Mit ihr wird die Kompetenz des Apothekers im Arzneimittelbereich genutzt und die Wirtschaftlichkeit der Arzneimittelversorgung erhöht.

Wie funktioniert aut-idem?

Ärzte sollen nun auf dem Rezept den Wirkstoff, die Wirkstärke, die Art der Darreichung (Tablette, Saft, Salbe, etc. ) und die Größe der Packung vermerken.

Der Apotheker wählt daraufhin innerhalb wirkstoffgleicher Medikamente ein kostengünstiges Präparat aus. Sollte der Arzt ein teures Präparat aufschreiben, ist der Apotheker in aller Regel verpflichtet, ein günstigeres abzugeben. Die genauen Richtlinien hierzu hat der Gesetzgeber erarbeitet.




Welche Bedingungen setzt aut-idem voraus?

Um die therapeutische Sicherheit zu gewährleisten, müssen die ausgetauschten bzw. „substituierten” Medikamente gewisse Bedingungen erfüllen: Übereinstimmung von Wirkstoff (z.B. Paracetamol), Wirkstärke (z.B. 500 mg) und Packungsgröße (z.B. 20 Tabletten); außerdem muss die Darreichungsform therapeutisch vergleichbar sein (z.B. keine Tabletten durch Zäpfchen austauschen) und für die
gleichen Indikationen (z.B. Fieber) zugelassen sein.

Welche Vorteile bringt aut-idem?

Sie können sich darauf verlassen, dass ihr Arzt und ihr Apotheker, die Fachleute für Arzneimittel, ihnen weiterhin das Beste für Ihre Gesundheit geben.

Durch den verstärkten Einsatz von hochqualitativen Generika können Kosten im Gesundheitswesen eingespart werden, ohne dass Sie als Patient auf Leistungen, Qualität und Therapiesicherheit verzichten müssen.

Was sind Generika?

Generika sind Arzneimittel, die eine gleichwertige Qualität und Wirksamkeit wie Ihre gewohnten Medikamente aufweisen. Sie sind nur günstiger.



Warum sind die Generika genauso wirksam?

Generika werden aus den gleichen Wirkstoffen und in der gleichen Dosierung hergestellt wie Ihre gewohnten Medikamente. Die gleichwertige Wirksamkeit ist gewährleistet und behördlich dokumentiert.

Warum weisen Generika die gleiche Qualität auf?

Generika unterliegen den gleichen Qualitäts- und Sicherheitsstandards wie alle anderen Arzneimittel auch. Der Qualitätsbeweis wird durch gesetzlich festgelegte Untersuchungen erbracht, in denen geprüft wird, ob das Generikum dem Original vergleichbar ist.

Warum sind Generika günstiger?

Generika sind in der Regel wesentlich günstiger als Originalpräparate, da weniger Forschungskosten anfallen.

Gefährden Generika die Forschung?

Ganz im Gegenteil! Gerade aus den Ländern, in denen Generika am meisten eingesetzt werden (wie z.B. USA) kommen die meisten innovativen Arznei-mittel. Generika helfen dem Arzt und dem Gesundheitssystem, Geld einzusparen, welches dann für teure aber notwendige neue Medikamente zur Verfügung steht.



der Transplantierte aus Sicht des Hausarztes

Am 6. März fand im Rahmen der Vortragsreihe des Kontaktkreises Organspende und Transplantation Heilbronn in den Räumen der Innungskrankenkasse ein sehr interessanter und vor allem informativer Vortrag statt. Thema war " Der transplantierte Patient aus der Sicht eines Hausarztes". Herr Dr. Ulrich Winkler, praktizierender Arzt aus Ilsfeld, referierte gut 2 Stunden zum Thema.

Zur Einführung sprach er u.A. über die Geschichte und Entwicklung der Transplantationsmedizin. Im Mittelpunkt seines Vortrages der sehr gut besuchten Veranstaltung stand die Bedeutung der einzelnen Laborwerte vor und nach Transplantation. Auch auf die möglichen, verschiedenen Untersuchungsmethoden bei Transplantationspatienten ging er ausführlich ein.

Große Aufmerksamkeit erweckte bei den Zuhörern natürlich auch das Thema " mögliche Nebenwirkungen durch Einnahme der Immunsuppresiva".

Dabei wurden die Osteoporose, die Beeinträchtigung der Sehkraft, die intensive Beobachtung von Hautveränderungen sowie die Tumorbildung angesprochen.

Herr Dr. Winkler nahm sich Zeit, um die zahlreichen Fragen ausführlich zu beantworten. Es wurde der Wunsch geäußert, diese Vortragsreihe fortzusetzen.



Nebenwirkungen von Immunsuppressiva

Nebenwirkungen von Immunsuppressiva auf die Nierenfunktion- was kann man tun ?

Vortrag von Dr. Peter Petersen, Arzt des Transplantationszentrums der Chirurgischen Universitätsklinik Tübingen

Dr. Petersen führte aus, dass Transplantationen von chirurgischer Seite schon lange möglich sind. Das Problem bestand und besteht aber darin, die Abstoßung der Organe in den Griff zu bekommen. Erfolge in der Transplantation brachte die Entwicklung von Medikamenten gegen die Abstoßung (Immunsuppressiva). Diese Immunsuppressiva unterdrücken Abstoßungen, haben aber Nebenwirkungen.

Dr. Petersen ging in seinem Vortrag vor allem auf die nierenschädigenden Nebenwirkungen ein. Zu den nicht abstoßungsbedingten Ursachen von Nierenfunktionsstörungen nach Transplantation gehören Bluthochdruck, Infektionen, erneutes Auftreten der Grunderkrankung, aber auch die immunsuppressiven Medikamente selbst:
Die am häufigsten verordneten Medikamenten sind die so genannten Calcineurin-Hemmer Ciclosporin (Sandimmun®) und Tacrolimus (Prograf®). Sie können einen zeit- und dosisabhängigen Nierenschaden verursachen, der häufig reversibel, aber auch chronisch und behandlungsbedürftig werden kann. Die Ausprägung von Nebenwirkungen hängt von der Dosierung ab und variiert von Patient zu Patient. Eine individuell angepasste Dosierung ist besonders wichtig. Um eine Überdosierung zu vermeiden, ohne das Risiko der Unter-Immunsuppression zu erhöhen, ist eine häufige Spiegelbestimmung mit genauer Einhaltung des erforderlichen Messzeitpunktes wichtig, bei Sandimmun-Optoral® ev. eine zusätzliche Bestimmung des 2 Stunden Wertes.
Wenn andere Ursachen für eine Nierenfunktionsstörung ausgeschlossen sind und eine verbesserte Einstellung der Medikamente nicht hilft, ist grundsätzlich ein Wechsel des Basisimmunsuppressivums möglich, eröffnet aber neue Risiken. Eine eventuelle Unter-Immunsuppression kann zu Abstoßungen führen, eine Verbesserung bleibt aus oder andere Nebenwirkungen können hinzukommen. Welche Medikamente kommen für eine Umstellung in Frage?

1. Mycophenolsäure ((CellCept®, Myfortic®):
Die Wirkung dieses Medikamentes ist ähnlich dem Azathioprin (Imurek), jedoch spezifischer und effektiver. Es wird meist in Kombination mit Ciclosporin oder Tacrolimus (Prograf®)verwendet, Als Basisimmunsuppressivum wird es vorwiegend bei Patienten mit geringem Abstoßungsrisiko eingesetzt. Bei diesem Medikament gibt es keine Nierenschädigungen, häufigste Nebenwirkung sind Magen-Darm-Beschwerden.

2.Rapamycin und seine Derivate : Sirolimus (Rapamune®) , Everiolimus (Certican®)
Diese Medikamente haben nur eine geringe nierenschädigende Wirkung. Nebenwirkungen sind Fettstoffwechselstörungen, Infekte, Blutarmut. Allerdings haben sie auch eine antiproliferative Wirkung (Hemmung des Tumorgefäßwachstums). Sirolimus® verbessert Nierenfunktionsstörungen, die durch Calcineurin-Hemmer verursacht worden sind, auch bei Lebertransplantierten.
Everolimus (Certican®) wurde im März 2004 in Deutschland als erstem Land weltweit eingeführt. Es besitzt eine kürzere Halbwertzeit als Sirolimus. Eine Spiegelbestimmung ist früher möglich. Wirkungen und Nebenwirkungen sind weitgehend identisch.

Zum Abschluss fasste Dr. Petersen seine Ausführungen noch einmal zusammen:
Nebenwirkungen von Immunsuppressiva sind die häufigste nicht abstoßungsbedingte Ursache von Nierenfunktionsstörungen nach Transplantation. Zuerst sollte aber immer eine Überprüfung der Dosisanpassung und ggf. eine Optimierung der Spiegelanpassung angestrebt werden.

Bei erst kürzlich zurückliegender Transplantation oder anderweitig erhöhtem Abstoßungsrisiko sollen die Calcineurion-Hemmer (Sandimmun®, Prograf®), nach Möglichkeit in der immunsuppressiven Therapie verbleiben, ggf. in reduzierter Dosierung kombiniert mit Rapamyzin (Certican, Rapamune).
Bei mittlerem immunologischem Risiko ermöglicht der Wechsel auf Rapamycin (Certican®, Rapamune®) auch ohne Kombination mit Calcineurin- Hemmern (Sandimmun®, Tacrolimus®) eine wirksame Immunsuppression, die schädigende Nebenwirkungen auf die Nierenfunktion mit größerer Wahrscheinlichkeit zum Stillstand bringt. Everolimus (Certican®) hat dabei gegenüber Sirolimus (Rapamune®) den Vorteil einer kürzeren Halbwertzeit.
Bei geringem Abstoßungsrisiko und lang zurückliegender Transplantation kann eine Mycophenolsäure –basierte Immunsuppression (Myfortic®, CellCept®) mit schrittweiser Reduktion des Calcineurin-Hemmer (Sandimmmun®, Tacrolimus®) versucht werden.

Grundlegende Voraussetzung für jede Umstellung der Immunsuppression, so Dr. Petersen, ist die richtige Einschätzung des individuellen Risikos in Abstimmung mit der transplantierenden Klinik (ev. Nierenpunktion) sowie die engmaschige Überwachung danach.
Bei der nachfolgenden Diskussion beantwortete Dr. Petersen die Fragen der sehr interessierten Zuhörer. Deutlich wurde auch, dass die Eigenverantwortung der Patienten immer eine große Rolle spielt (regelmäßige Medikamenteneinnahme, regelmäßige Arztbesuche mit Spielgelkontrollen usw.)
Zum Abschluss des Abends bedankte sich der Kontaktkreis Organspende Heilbronn
bei Herrn Dr. Petersen für einen sehr interessanten, sehr informativen und gut verständlichen Vortrag..

C. Jany